Die Stadt Osnabrück aus der Vogelperspektive. Nach einem
Kupferstich von Wenzel Hollar ca. 1630 anläßlich der
Eröffnung der Osnabücker Karls-Universität.
Links unten Petersburg. Linke Stadthälfte Neustadt mit
St. Johann. Rechte Stadthälfte Altstadt mit Dom
(Vordergrund) und Rathaus und St. Marien (Hintergrund) im
Zentrum der Stadt, zwischen Alt- und Neustadt, St. Katharinen und
Neumarkt. Rechts oben: Wappen der Stadt Osnabrück.
1500-1600
Dieses Jahrhundert bildet eine Blütezeit des Osnabrücker Handels.
Hauptexportgut war das Osnabrücker Leinen Löwenlinnen.
Mit dem Osnabrücker Rad als Qualitätsmerkmal ging es nach seiner
Prüfung durch die Osnabrücker Legge zunächst in die Niederlande
und von dort sogar nach Übersee.
1521
Der Lehrmeister Luthers in Erfurt, der Augustinermönch Hecker,
predigt im Kloster am Neumarkt erstmals die evangelische Lehre kann sich
aber zu diesem Zeitpunkt nicht in der Stadt und beim Rat durchsetzen.
1525
Unter Führung von Johann von Oberg und Johann Ertmann
greifen die Gilden die Forderungen des Lenethunaufstandes von 1488
wieder auf. Da der Rat der Stadt sich als unfähig erweist diesen Aufstand
zu beenden bereitet Bischof Erich II. (1508-1532) die Belagerung
der Stadt vor. Daraufhin fliehen die Aufständischen und die Stadt
bezahlt eine hohe Geldbuße an den Bischof.
Um 1525
Um gegen spätere Belagerungen sicher zu sein baut die Stadt ihre Befestigungsanlagen
aus, insbesondere werden Erdwälle zum Schutz gegen Kannonenbeschuß
errichtet.
1526
Kaiser Karl V. richtet an das Domkapitel, Ritterschaft,
Geistlichkeit und die Stadt Osnabrück ein Schreiben
in dem er sie auffordert, dem alten Glauben treu zu bleiben und seine Reformen
abzuwarten. Dennoch gehen in Osnabrück die Versuche weiter die Reformation
im evangelischen Sinne durchzusetzten.
1530
Erneut wird Osnabrück von einen großen Brand beschädigt.
Das Feuer breitet sich von der Hakenstraße aus und zerstört
viele Häuser der Johanneslaischaft, u.a. die Georgskapelle
in der Großen Str. 67. Die folgenden Seuchen und eine Sturmkatastrophe
mit der daraus resultierenden Mißernte und Hungersnot fordern zahlreiche
Opfer unter der Bevölkerung.
1532
In Anbetracht der oben genannten Zerstörungen kommt es zur Aussöhnung
zwischen Rat und Geistlichkeit von Osnabrück. Diese wurde durch die
Zugeständnisse des neuen Bischofes von Osnabrück und Münster
Franz von Waldeck begünstigt. Die gesamte Bevölkerung
leidet noch immer unter den Auswirkungen der Ereignisse von 1530, so daß
die Reformation in Osnabrück zum Stillstand kommt.
1534
In Münster errichten der Prediger Rothmann, der Kaufmann
Knipperdolling, sowie Johann von Leyden und Jahn Mathys
ihr Wiedertäuferreich, eine radikale reformatorische Bewegung
um Thomas Münzer. Die Sendboten dieser Bewegung, welche in
Osnabrück versuchen die Wiedertäuferbewegung zu verbreiten, werden
verhaftet und in Iburg hingerichtet. 1535 gelingt es dem unter Bischof
Franz von Waldeck vereinigtem Herr die Münster, nach
langer Belagerung, wieder zu erobern. Diese radikale reformatorische Bewegung
schadete der Reformation in Osnabrück auf einige Jahre.
1542
Nachdem sich Bischof Franz von Waldeck, aus machtpolitischen Gründen,
einem Feldzug des Schmalkaldischen Bund in Norddeutschland anschloß
konnte er den Bürgern von Osnabrück das Bekenntnis zur lutherischen
Konfession nicht mehr verweigern.
1543
Aus Lübeck ruft der Rat der Stadt Osnabrück den Superintendenten
Hermann Bonnus herbei. Dieser trifft noch im selben Jahre in Osnabrück
ein und hielt in der Marienlirche seine erste Predigt. Ebenso verfasste
er in diesem Jahre eine lutherische Kirchenordnung in nierdeutscher
Sprache. Der Rat eröffnete zudem im säkularisierten Barfüßerkloster
eine eigene, lutherisch geprägte Lateinschule, das noch heute bestehende
Ratsgymnasium.
1544
Die Stadt Osnabrück tritt dem Schmalkaldischen Bund
als ordentliches Mitglied bei.
1548
Kaiser Karl V. erlässt nach seinen Erfolgen über den Schmalkaldischen
Bund während eines Reichstages in Augsburg ein Dekret, welches
die Reformation stark einschränkt. So wird auch in Osnabrück
das Ratsgymnasium zunächst wieder geschlossen.
1552
Im Passauer Vertrag werden die Einschränkungen des Augsburger
Dekretes wieder aufgehoben. In den Osnabrücker Kirchen St.
Marien und St. Katharinen wird die Reformation wiederhergestellt.
Der Prediger Pollius von St. Katharinen wird vom Rat der
Stadt zum ersten Stadtsuperintendenten ernannt.
1553
Während eines Rachefeldzuges des Phillip Magnus von Braunschweig,
wegen des Angriffes des Schmalkaldischen Bundes auf sein Land, gerät
die Stadt Osnabrück in Gefahr. Zum Schutze der Stadt läßt
der Rat die gesamten unbefestigten Vorstädte abbrennen und
erläßt ein bis 1843 befolgtes Verbot sie wiederaufzubauen. Gleichzeitig
wurden die Befestigungsanlagen weiter für den Schutz gegen Feuerwaffen
verbessert. So geschützt gelang es den Bürgern der Stadt Osnabrück,
ohne Hilfe durch den Landesherrn oder der Ritterschaft, die Belagerung
abzuwehren.
1557
Beginn der Grothausfehde. Im Verlauf dieser Fehde (obwohl das
Fehderecht 1495 aufgehoben war) eines Osnabrücker Adligen gegen
Stadt, Bürger und Bischof von Osnabrück wegen vermeintliches
Unrecht mischen sich die die Herrschaft Lingen besetzenden spanischen
Soldaten ein (Freiheitskrieg der Niederlande gegen Spanien). Die
Fehde endet 1591 mit dem Blutbad im Gehn bei Bramsche wo
ca. 300 Bauern im Kampfe mit einer spanischen Reitereinheit starben.
1568
Die Stadt erwirbt in einem Vertrag mit dem Domkapitel das Recht, daß
allein sie auf dem Piesberg Steinkohle brechen darf.
1575
In der zweiten Pestwelle seit 1350 sterben mehr als 4.000
Einwohner der Stadt. Dieser Pest folgen eine Pockenepedemie und
1579 eine Mißernte mit Hungersnot. Weitere Pestepedemien
folgen 1597, und 1599-1605.
1582
Als Folge dieser Notzeiten kommt es erneut zu makaberen Hexenverfolgungen,
denen nur in seltenen Ausnahmefällen auch Männer als sog. Hexer
zum Opfer vielen.. Innerhalb von zehn Jahren werden, besonders in der
Endphase der Regierungszeit des Bürgermeisters Hammacher (1565-1588),
163 Frauen als angebliche Hexen ermordet, die meisten verbrannt,
die Hinrichtung durch Enthauptung galt als besonderer Gnadenakt
und muß durch die Anverwandten der Opfer teuer erkauft werden.
1595
Erneute Eröffnung des Ratsgymansiums durch den Rat der Stadt.
als Schulhaus wird das Gebäude der Kirchspielschule von St. Marien
(lutherisch) benutzt.
1613
Ein im Hofhaus zur Twente entstandenes Feuer zerstört
ca. 180, zum größten Teil gewerblich genutzte, Häuser
im Nordwesten der Stadt. Auch das Rathaus und die Marienkirche geraten
in Mitleidenschaft.
1618
Kaiser Ferdinand II. bestätigt der Stadt Osnabrück
seine Priviliegien und die Augsburger Konfession (Religionsfreiheit).
Der in der Stadt ansässige Adel ruft im selben Jahr zur Unterstützung
der böhmischen Stände gegen den Kaiser auf.
1618-1620
Die Wehrfähigen der Stadt werden zu einer Bürgerwehr
(Freifahne) zusammengerufen. Zudem mit der Anwerbung von Söldnern
soll diese Maßnahme dazu dienen, die Stadt im 1618 begonnen
Krieg (der 30ig jährige Krieg) selber verteidigen zu können.
Die Neutralitätserklärung der Stadt akzeptierte der Kaiser
im selben Jahr.
1623
Erstmals im Verlauf des 30ig jährigen Krieges wird die Stadt
von der katholischen Liga belagert. Angesichts der aufmarschierten
Truppen wählt das Domkapitel ohne Beteiligung des Rates den katholischen
Prinzen Eitel Friedrich Kardinal von Hohenzollern-Sigmaringen (1623-1625)
zum Osnabrücker Bischof.
1623/1624
Durch die Zahlung von 39.000 Talern an den Feldherrn der Liga Tilly
verhindert die Stadt Einquartierungen innerhalb ihrer Mauern während
des Winters. Sie wahrte so ihre Neutralität, auch wenn das
Umland vollständig ausgeplündert wurde.
1624
Kaiser Ferdinand II, lehnt mit Rücksicht auf den katholischen
Bischof und Landesherrn die Erhebung Onsabrücks zur Freien Reichsstadt
ab.
Der Bischof Eitel Friedrich führt den Gregorianischen Kalender
ein.
1625
In diesem Jahr sieht sich Osnabrück einem dänischem Herr der
Protestantischen Union gegenüber. Erneut kann die Stadt durch
Zahlung einer großen Summe ihre Neutralität wahren. Im
selben Jahr übernehmen auch die Jesuiten die Leitung der katholischen
Domschule. Nachfolger des im Herbst verstorbenen Bischofs wird Franz
Wilhelm von Wartenberg.
1626
Die dänischen Truppen der Protestantischen Union werden bei
Lutter am Barenberge von der Katholischen Liga geschlagen,
sie halten jedoch weiterhin Fürstenau im Norden des Osnabrücker
Landes.
Durch die Gründung eines Jesuitenkollegs am Neumarkt schafft
Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg die Grundlage zur Bildung einer
kathohlischen Hochschule in Osnabrück.
1627
Angebelich wegen den Verhandlungen die der Rat der Stadt Osnabrück
mit den Dänen über deren Truppen in Fürstenau führt
hebt Kaiser Ferdinand II. seinen Schutzbrief von 1618 und
damit die Neutralität der Stadt auf. Das Domkapitel nimmt diese
Wendung im Gegensatz zum Rat ohne Protest hin.
1628
Die Truppen der Liga ziehen in die Stadt ein. Mit ihm kommt auch
der Bischof in die Stadt und leitet eine starke gegenreformatorische
Bewegung ein. Evangelische Prediger und Lehrer werden aus der Stadt
gewiesen und ein katholischer Rat eingesetzt. Desweiteren wird das Jesuitenkolleg
ausgebaut und im Südosten der Stadt eine Festung, die Petersburg
gebaut. Den Beteuerungen, diese Feste diene nur dem Schutz der Stadt, wurde
von den Bürgern der Stadt nie geglaubt. Da diese Wehranlage vollständig
abgeschlossen und nicht mit den besethenden Wehranlagen verknüpft
war konnte sie ebenso leicht zur Bedrohung der Stadt dienen.
1629
Papst Urban VIII. bestätigt die von Franz Wilhelm von Wartenberg
1626 beantragte Gründung einer Osnabrücker Karls-Universität.
Kaiser Ferdinand II. stellt am 20.02.1630 die Stiftungsurkunde
aus.
1632
Feierliche Eröffnung der Osnabrücker Karls-Universität
(Academia Carolina) am 25. Oktober im Gebäude des ehemaligen
Augustinerklosters am Neumarkt. Der Lehrkörper dieser Universität
wird aus den, bereits in Osnabrück befindlichen, Jesuiten gebildet.
1633
Herzog Georg von Braunschweig und Dodo von Knyphausen führen
ein schwedisches Heer in die Stadt. Diese ergab sich nach kurzer
Belagerung die katholische Besatzung der Petersburg wird ausgehungert.
Unmittelbar nach Besetzung der Stadt werden die alten Zustände in
der Stadt wiederhergestellt. Die evangelischen Kirchen werden erneut
geöffnet, der ursprüngliche Rat und das Ratsgymnasium
nehmen ihre Arbeit wieder auf und der Gregorianische Kalender wird
wieder abgeschafft, zudem wird die Universität geschlossen.
Unter dem Befehl des Grafen Gustav Gustavson mußte die Stadt
nun eine 600 Mann starke Besatzung bis 1643 unterhalten.
1636-1639
Ein letztes Mal kam es in Osnabrück zu Hexenverfolgungen. Nochmals
wurden, unter dem Bürgermeister Dr. Pelster, mehr als vierzig
Frauen als Hexen angeklagt und hingerichtet. Sie waren die letzten
Opfer dieses grauenhaften Treibens in Osnabrück. Die meisten von ihnen
wurden öffentlich enthauptet, ihre Leichen verbrannt. Nur den
Opfern aus reichen Familien wurde, nach entsprechender Bezahlung durch
ihre Verwandten die "Gnade der heimlichen Enthauptung"
und das anschließende Begräbnis in ungeweihter Erde gewährt.
1641
Osnabrück und Münster werden von den Kriegsparteien
zu neutralen Orten erklärt. Hier sollen die Friedensverhandlungen
durchgeführt werden. Damit verbunden ist der Abzug aller fremden Truppen
aus diesen Städten.
1643
Die Stadt wird von den schwedischen Truppen geräumt. Gesandte aus
fast allen europäischen Ländern treffen in Osnabrück ein
und beginnen im Friedenssaal des Rathauses von Osnabrück mit
den Verhandlungen.
1648
Am 06.08.1648 wird der sog. protestantische Teilfriede
von Osnabrück zwischen dem Heiligen Römischen Reich Deutscher
Nation und dem Schwedischen Königreich geschlossen. Am
05. und 06.09. 1648 folgt der Teilfriede von Münster
mit dem Friedensschluß zwischen dem Reich und Frankreich. Der 24.10.1648
bringt in Münster den Abschluß des sog. Gesamtfriedens,
der den Niederlanden und der Schweiz die Unabhängigkeit
sichert. Damit waren die Vertragswerke des Westfälischen Friedens
ausgehandelt und unterzeichnet. Dieser Westälische Friede
und das Ende des Dreißigjährigen Krieges
wurde sodann am 25.10.1648 auf den Treppen des Rathauses zu Osnabrück
verkündet. Am Ende diese Krieges waren die Kassen der Stadt und der
Bürger vollkommen erschöpft. Die großen Geldsummen, welche
aufgebracht werden mußten, um die Stadt vor Brandschatzungen zu bewahren,
sowie die Kosten der Einquartierungen waren nicht allein vom Stadtsilber
und durch immer neue Steuern zu begleichen. Sie mußte sich auch auf
Jahrzehnte hinaus bei auswärtigen Geldgebern hoch verschulden. Sogar
aus der Armenkasse wurden Gelder entnommen.
Zum Thema Westälische Friede siehe auch 350
Jahre Westfälischer Friede.
1648
Die Bürger der Stadt Osnabrück reißen die von ihnen gehaßte
und gefürchtete Petersburg ein.
Die Thurn- und Taxische Post leitet ihre Poststrecke von Hamburg
nach Köln über Osnabrück.
1650
Die Zukunft Osnabrücks ergab sich aus den Beschlüssen des Reichstages
zu Nürnberg. In der Immerwährenden Kapitulation (Capitulatio
perpetua) wird genau beschrieben wie sich die Verhältnisse im
Fürstbistum Osnabrück in Zukunft gestalten sollten. Die
hier festgeschrieben Regelungen behielten ihre Gültigkeit bis 1802/03,
also bis zur Auflösung des Fürstbistums Osnabrück.
Der hierfür eingesetzte Nürnberger Exekutionsausschuß
bestimmte folgende Regelungen: